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kleinBerlin

In der Casa da Música ist alles immer gerade ein bisschen zu sehr so wie es sein soll. Die Menschen richten sich schön her, machen sicher alle irgendwas in Kultur, eventuell Architektur, Grafik oder elektronischer Musik. Es wird nicht geraucht, mit dem trinken nimmt man sich auch zurück, alles ist gesittet, schließlich ist das ja eigentlich was für Hochkultur, und selbst wenn Peaches läuft wird nur höflich mit den Füßen gewippt. Dazwischen O. und ich mit unseren Zauber-Sagres, zur Tarnung im SuperBock-Becher. Das in der „cybermusica“ finden wir nicht so gut. Aber während das brave Publikum (enddreisiger-kulturinterssierte-gehobenen-mittelklasse-Pärchen) andächtig lauscht muss ich ständig kichern weil ich mir vorstelle wie die beiden Künstler nachher im Backstagebereich ordentlich einen aufratteln werden und sich über all das hier lustig machen (vielleicht auch nicht aber mir gefiel die Vorstellung).
Für das richtig Konzert wollen wir dann nicht zahlen aber dafür sehen wir die Installation SINGBIRDSING, sehr nett. Falte einen Vogel und stell ihn zu den anderen, unters Dachfenster. Und in der Bar ist die Musik auch gut und die Djs schauen aus wie Djs ausschauen sollen, wie gesagt, hier ist alles so wie es sein soll und O. und ich sind uns einig wer der schönste Mann des Abends ist. Und selbst die dritte Fluchttreppe in der Casa ist schön genug um einen zu trösten.Dann noch mehr brasilianischer Getroffen (reicht man den kleinen Finger .. oder so) die schon wieder in der gleichen Wohnsiedlung wie ich wohnen, stark! Um es wie Sven Regner auszudrücken.

Gerade ist mir übrigens aufgefallen, dass man das gute alte T-Shirt-Spiel wohl nun endgültig nicht mehr spielen kann. Ich hätte mit dem einen TOOL-Shirt wohl den Abend gewonnen. Alternativ könnte man eventuell ein Stiefel-Spiel einführen. Pro gehängten Hamster ein Punkt. Hosen in den Stiefeln ein extra Punkt, Hosen über den Stiefeln zwei Punkte Abzug und der Cowboy-Stiefel am Mann mit hineingesteckter Hose und Dj Özi-Mütze wäre dann wohl das XiuXiu-Shirt unter den Stiefeln.

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champagner trinken mit den geistern

Eigentlich wollten wir Bier kaufen und dann Björk-Videos anschauen, aber dann war der Supermarkt doch schon seit einer viertel Stunde zu und s. meinte, dass s., der eigentlich j. heißt, gesagt hat heute wäre da so ein Fest in der Casa da Música, das wäre gratis. Also erst mal im Internet nachlesen. Da steht nur was von 20 Euro eintritt, aber dann: Phantom Ghost. Und ich überzeuge s. dass es das wert ist und wir gehen los, sind ganz aufgeregt mit roten Backen wie zu Weihnachten. Es sind dann auch nur 16 Euro weil wir jovens sind und für Gratis kann man fast überall in der Casa herumstreunen und überall gutaussehende Bellas Artes StudentInnen und Licht und Farben und Visuals und Musik. Wunderschön, etwas verwirrend gebaut allerdings. Dann ist es endlich 11 und wir gehen rauf in den bezahlbereich und das Bier kostet 3 Euro aber was will man machen.


Schließlich kommen sie dann auf die Bühne mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern, Thies setzt sich an den Flügel, Dirk sagt artig Obrigado für den Applaus und dann los, nur Klavier und Gesang. Irgendwann die Ansage: „The next song is for our friend buffy“, dann kniet er sich nieder nimmt einen Schluck, steht auf dreht sich vom Micro weg und rülpst dezent nach hinten, dann verschmitztes Lächeln zu Thies rüber, und sie fangen an. S. und ich verbleiben entzückt. Später wechselt Thies dann zum elektronischen Klavier und sie tanzen. Das Licht, der Ton, alles Perfekt, auch das Publikum ist gut. Noch relativ wenige, aber das ist auch gut so, weil die die schon da sind klatschen brav und sind ruhig an den ruhigen stellen und allgemein ist die Stimmung gut und es herrscht allgemeine Sympathie, ich stelle mir kurz ein österreichisches Publikum vor das dummes Zeugs schreien würde weil sie endlich den bumbumdj hören wollen und nicht so zwei seltsame dünne Jungs mit Klavier.


Der Rest des Abends ist dann zwar eigentlich ganz gut, aber der Höhepunkt waren eindeutig Phantom Ghost.

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